Sitzkunst – Reiten mit Kopf, Körper und Herz.

Sitzkunst – Reiten mit Kopf, Körper und Herz.

Transkript

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00:00:02: Sitzkunst, der Podcast mit und für kluge Pferdemenschen.

00:00:06: Du willst mehr als Null Acht Fünfzehn?

00:00:09: Dann bist du hier genau richtig!

00:00:11: Klar herzlich und durchdacht für dich und dein Pferd.

00:00:16: In der letzten Folge haben wir über den Po gesprochen, genauer gesagt über die Glutealmuskulatur dem Psoas und darüber warum beide nur dann gut zusammenarbeiten können wenn sie sich immer wieder abwechseln.

00:00:31: Und abwechselnd bedeutet ja einer ist in Anspannung während der andere eher in der Entspannungen ist und zulässt das der Andere anspannen kann.

00:00:41: Nur um das nochmal einmal kurz zu wiederholen Und vielleicht hast du damals auch ausprobiert, wie deine Gesäßmuskulatur ansteuerbar ist und hast die Übungen mitgemacht.

00:00:53: Für alle, die diese Folge noch nicht gehört haben ging darum abwechselnd die Po-Bakken anzuspannen und bewusst wieder loszulassen.

00:01:03: Vielleicht hast du dabei gemerkt dass Anspannen oft leichter fällt als Entspannen.

00:01:09: Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen, denn eine Frage höre ich immer wieder.

00:01:17: Wenn ich doch weiß dass sich zu viel Spannung habe warum kann ich sie dann nicht einfach loslassen?

00:01:25: Die Antwort darauf ist unglaublich wichtig!

00:01:28: Denn unser Körper hält Spannungen nicht fest um uns das Leben schwer zu machen sondern weil Sie für ihn Sinn ergibt.

00:01:39: Spannung ist zunächst also etwas Gutes.

00:01:43: Lass uns da tiefer einsteigen!

00:01:45: Wenn wir das Wort Spannungen hören, denken wir oft direkt an etwas Negatives, an Verspannungen, an Schmerzen und an Steifheit.

00:01:54: Dabei wäre ohne Spannungs überhaupt gar keine Bewegung möglich.

00:01:58: Jeder Muskel braucht Spannunge auch beim Reiten, beim Gehen oder beim Stehen?

00:02:03: Die Frage ist nicht wirklich... Habe ich Spannung, sondern kann mein Körper zwischen Spannungs- und Entspannung hin und her wechseln.

00:02:15: Denn genau darin liegt ja gute Funktion!

00:02:21: Wann wird Spannungen denn zum Problem?

00:02:25: Schwierig wird es dann wenn Spannunge ihren ursprünglichen Auftrag nicht mehr beendet.

00:02:33: Stell dir mal vor du erschreckst dich Dein Körper spannt sich an.

00:02:40: Das ist sinnvoll!

00:02:42: Oder du musst plötzlich reagieren, auch dann steigt der Muskeltonus.

00:02:46: Vielleicht hast Du das schon mal erlebt, dass Dir was runtergefallen ist und Du sofort angespannt hast in der Muskulatur um das noch aufzufangen?

00:02:55: Das Problem beginnt erst dann wenn dein Nervensystem diese erhöhte Spannung aus solchen Momenten von Stress nicht mehr vollständig baut.

00:03:10: Dann entsteht nämlich mit der Zeit etwas für chronische Spannung nennen, nicht weil der Muskel generell vergessen hat sich zu entspannen sondern weil das Nervensystem weiterhin gute Gründe daran sieht diese Spannungen aufrechtzuhalten, weil sie ja in diesen Momenten Sinn gemacht hat.

00:03:35: und das Nervensystem hat eine Einzige Priorität und danach kommt lange erst mal nichts.

00:03:43: Die absolute Nummer eins Priorität deines Gehirns ist Sicherheit!

00:03:50: Und wenn du es aus der Perspektive siehst, macht das auch total Sinn dass dein Nervensystem im Zweifel an solchen Spannungsmustern festhalten will.

00:04:02: Der Körper ist nicht gegen dich.

00:04:07: Das ist ein Gedanke der mir unglaublich wichtig ist.

00:04:10: Kronische Spannung ist kein Zeichen dafür, dass dein Körper nicht funktioniert.

00:04:16: Ganz im Gegenteil, er funktioniert oft genauso wie er es gelernt hat – wie es mal Sinn gemacht hat!

00:04:24: Weil vielleicht war diese Spannungen einmal hilfreich?

00:04:29: Vielleicht hat sie Schutz gegeben, vielleicht hat sich Stabilität geschaffen und vielleicht hat sie dich auch leistungsfähiger gemacht.

00:04:37: Dein Nervensystem bewertet dabei nicht... ob das heute noch sinnvoll ist.

00:04:43: Es orientiert sich an Erfahrungen und solange diese Erfahrungen noch gültig sind, und sagen Diese Spannung ist sinnvoll die brauchen wir wird der Körper sie nicht einfach loslassen.

00:05:01: Was bedeutet das aber fürs Reiten?

00:05:04: Naja vielleicht kennst du Situationen in denen du eigentlich locker sitzen möchtest.

00:05:10: Du weißt auch wie das gehen soll.

00:05:13: Du möchtest deinen Becken frei bewegen, du möchtst vielleicht schön aussitzen oder im Übergang einfach schön sitzen bleiben können und trotzdem fühlt sich dein Körper an als würde immer wieder wie so ein altes Muster zurückkehren.

00:05:31: Obwohl du das eigentlich im Kopf besser weißt und dir auch ganz fest vornimmst jetzt locker zusitzen und loszulassen in den Übergangen.

00:05:42: Und dann ist das ein Thema des Nervensystems.

00:05:45: Dann bedeutet es, dass dein Nervenystem keine bessere Lösung gefunden hat als genau an dieser Spannung in diesem Moment festzuhalten und diese Spannungen lässt sich den Übergang nicht wirklich locker sitzen.

00:06:00: Deshalb reicht eben Wissen manchmal nicht aus!

00:06:03: Das kann uns im Kopf noch so klar sein, dass wir da jetzt eigentlich locker lassen müssten... und wir erleben immer und immer wieder, dass wir nicht locker lassen können.

00:06:16: Und deswegen möchte ich mit dir auch darüber sprechen warum denen manchmal nicht genügt!

00:06:27: Weil es kann ja sein – und ich erlebe das oft – dass viele Reiter versuchen chronische Spannungen über denen zu lösen oder über Massage, manche machen's auch über Krafttraining Und das kann alles sinnvoll sein, das sind ja auch an sich keine schlechten Dinge.

00:06:43: Aber wenn die Spannung aus Sicht des Nervensystems weiterhin notwendig erscheint dann kommt sie häufig zurück!

00:06:54: Nicht weil die Übungen schlecht waren oder du etwas falsch gemacht hast sondern weil die eigentliche Ursache noch nicht verändert worden ist Und ich glaube, wir kennen das alle.

00:07:05: Dass wir zu einer Behandlung gehen und uns danach wie neu geboren fühlen.

00:07:11: nur leider hält dieses schöne Gefühl nicht lange an sondern schon nach Stunden, Tagen vielleicht Wochen kommt das alte Muster zurück und nach ein paar Wochen fühlen wir uns so als wären wir gar nicht bei der Massage gewesen.

00:07:34: jetzt nur ein Beispiel von Dingen, die wir tun können.

00:07:38: Das heißt, wir müssen eine Lösung finden in der das Nervensystem tatsächlich auf die Idee kommt und realisiert dass dieses Spannungsmuster gar nicht mehr hilfreich ist sondern ganz im Gegenteil sogar nicht Sicherheit verstärkt, sondern dir sogar eigentlich Sicherheit im Sattel nimmt!

00:08:08: Und an dieser Stelle möchte ich dir gerne was erzählen, dass meine Arbeit mit Reitern in den letzten Jahren sehr verändert hat.

00:08:20: Ich arbeite unglaublich gerne mit dem Neurogenen Zittern – dem TE.

00:08:27: Nicht weil ich glaube das es die einzige Methode ist, die an dieser stelle gut ist sondern weil sie etwas ganz besonderes macht!

00:08:38: anders als ganz viele andere Methoden.

00:08:41: Sie arbeitet nicht von außen am Körper, sie sagt dem Körper nicht was er tun soll oder wo sein Problem ist es auch keine andere Person involviert die eine Idee dazu hat was jetzt richtig ist für dich und deinen Körper im Sinne der Dosierung, der Anwendung.

00:09:16: Sondern das THE nutzt einen Mechanismus, der bereits in dir angelegt ist.

00:09:22: Neurobiologisch als Instinkt!

00:09:26: Das Neurogenizzittern ist keine Technik die man klassisch erlernen muss oder ja du musst sie lernen Sie anzuwenden.

00:09:37: aber dass Neurogene Zittern selbst kann jeder.

00:09:43: Das ist ein neurobiologischer Instinkt zur Selbstregulation.

00:09:48: Es ist die Fähigkeit deines Nervensystems, gut für sich zu sorgen und Spannung wieder abzubauen!

00:09:57: Und genau das fasziniert mich bis heute, denn der Körper entscheidet selbst welche Spannungen bereit es zu gehen oder sich zu verändern und welche nicht... und somit hast du oft eben auch nicht diesen Effekt, dass Spannung die sich abgebaut hat wieder zurückkommt.

00:10:21: Weil dieser Prozess aus innen heraus funktioniert!

00:10:27: Und wenn wir uns unsere Pferde anschauen oder unsere Hunde dann sehen wir in deren Alltag ja sehr oft das sie Spannungen schnell wieder abschütteln nach einer Aufregung, nach einem stressigen Event oder einer stressigen Begegnung im Park von zwei Hunden.

00:10:55: Was machen die Hunde als erstes wenn man sie zurückruft und dann weitergeht?

00:11:00: Oft schütteln Sie sich ja manchmal welzen sie sich auch auf dem Boden.

00:11:06: Sie machen eine Form von neuronaler Selbstregulation.

00:11:10: wir Menschen glaube ich haben das einfach nur irgendwie verlernt über die Zeit.

00:11:18: So gut für uns zu sorgen, wie die Tiere es oft schon tun wenn wir sie lassen und wenn sie können!

00:11:26: Und wenn du Lust hast dann beobachte doch mal in den nächsten Tagen wo du im Körper dich noch festhältst wenn du auf dem Pferd sitzt nicht im Sinne von was du noch verbessern musst sondern einfach als Wahrnehmungsübung, wo vielleicht solche Bereiche im Körper sind die eher in einer chronischen Verspannung sind.

00:11:54: Wo du das Gefühl hast da sitzt was, dass kann ich nicht wegturnen!

00:12:01: Das kann auch nicht kognitiv loslassen Sondern das ist schon so lange Vielleicht auch so fest Dass du fast schon das Gefühl hattest gehört sowie zu dir Das beobachte doch mal, ja wo hält dein Körper eigentlich noch fest?

00:12:25: Und es geht nicht darum das sofort zu verändern sondern erstmal wahrzunehmen.

00:12:30: Denn jede Veränderung beginnt doch mit Wahrnehmung und vielleicht nimmst du aus dieser Folge einen einzigen Gedanken mit.

00:12:42: Kronische Spannung ist selten dein Gegner!

00:12:46: Sie ist meistens der Versuch deines Nervensystems für Sicherheit zu sorgen.

00:12:52: Und genau deshalb brauchst du oft einen Weg, der genauso respektvoll ist wie sie selbst entstanden is'.

00:13:03: Das heißt arbeite mit deinen Spannungsmustern und nicht gegen sie!

00:13:10: Weil sonst hast Du um Zweifel Dein Nerven-System gegen Dich.

00:13:18: ja eher noch mehr zu machen anstatt aufzumachen.

00:13:25: Und in der nächsten Folge möchte ich mit dir darüber sprechen, warum das neurogene Zittern noch etwas viel wertvolleres kann als Spannung zu lösen nämlich uns zu zeigen wie es sich anfühlt Bewegungen nicht mehr kontrollieren zu müssen sondern sie dem eigenen Kappa anzuvertrauen.

00:13:49: Und ich glaube, dass genau darin eine der schönsten Parallelen zwischen dem norogenen Zittern, dem TAE und gutem Reiten liegt.

00:14:00: Dazu in der nächsten Folge mehr!

00:14:03: Ich wünsche dir alles alles Liebe und Gute für dich und dein Fair.

Über diesen Podcast

Der Podcast mit und für kluge Pferdemenschen, die mehr wollen als 0815! Hier gibt's Themen, die in der Tiefe bewegen und das Potenzial haben, dein Reiterleben für immer zu verändern! Mach Schluss mit 'das hat man so schon immer gemacht' und finde mit diesem Podcast deinen eigenen achtsamen und authentischen Weg für dich und dein Pferd. Herzlich, klar und innovativ!

Julica Valentiner ist Expertin für neurozentrierte Körperarbeit, Traumaintegration und Sitzschulung. Sie eröffnet Pferdemenschen weltweit Raum für Veränderung durch Arbeit mit dem Nervensystem. Ihr Motto: Werde der Mensch, der du für dich und dein Pferd sein möchtest – körperlich, mental und emotional.

von und mit Julica Valentiner

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